Nachlese 2017

 

Kumm, ich verzehl dir ebbes!

Pfälzer Lyrik und Prosa

 

Zum Auftakt der "Bergzaberner BuchLese 2017" hatte das Organisationsteam den vielfach im Mundartdichterwettstreit von Bockenheim und Dannstadt, und jüngst der Sickinger Höhe, ausgezeichneten Mundartdichter, Wilfried Berger, ins beliebte Ambiente des Weinguts Stefan & Nicole Hitziger geladen, das mit gut gelaunten Gästen bis auf den letzten Platz besetzt war.

Begleitet von köstlichem Wein, sollte es ein fulminanter und amüsanter Abend werden, hatte Berger doch "das Beste aus den Pfälzer Mundartdichter-Wettbewer-ben der letzten zehn Jahre" versprochen.

Schon das erste Gedicht, mit einem schelmisch lächelnd vorgetragenen Stabreim, beanspruchte die ganze Aufmerksamkeit des konzentriert lauschenden Publikums, das sich bereitwillig zur Heiterkeit bewegen ließ. Doch dann - zwischen Lyrik und Prosa wechselnd - war Nachdenkliches angesagt, Hintergründiges - für "gescheite Leute". Die darauf folgenden Geschichten und Gedichte zogen mit ihrer Thematik, mit unerwarteten Pointen, gekonnt begleitet von Gestik und der unverwechselbar typischen Mimik Bergers, das Publikum vollends in den Bann. Viel zu früh, so schien es, war der Abend zu Ende. "Wir haben Tränen gelacht", meinte die Moderatorin, als sie sich für den kurzweiligen Abend bei Wilfried Berger mit einem "Wohlfühlpaket" bedankte. Und die Gäste? Sie gingen mit einem Lächeln auf den Lippen und heiteren Sinnes nach Hause.

Renate Becker

Klappstuhl-Lesung

 

Perfekt! Perfekt war das Wetter am Samstagmorgen um 11 Uhr, als sich interessierte Freunde der Bergzaberner BuchLese zur "Klappstuhl-Lesung an Türen und Toren in Bad Bergzabern" zwischen Marktkirche und Kirchturm an der kleine Pforte einfanden.

Den Auftakt bestritt Brigitte Weisbrod mit selbst geschriebenen Gedichten und einer nachdenkenswerten, sehr aktuellen Abhandlung über "Anständigkeit".

Nächste Station war das schöne Hoftor beim Anwesen Obere Berggasse 7. Es bot den perfekten Hintergrund für zwei Geschichten, geschrieben und gelesen von Christel Herzhauser, die mit teils rätselhaften Informationen die Fantasie der Zuhörer mal vor, mal hinter Türen und Tore zu führen verstand.

Das barocke Ostportal der Bergkirche war die passende Kulisse für die philosophi-schen Gedanken von Blaise Pascal, aus dem Büchlein, "Ausgewählte Kostbarkeiten", die Brigitte Magin zum Thema "Zeit" ausgewählt hatte.

An der Rückseite des Gasthauses zum Engel, dem schönsten Renaissancehaus der Pfalz, boten sich gleich zwei Türen als Hintergrund an. Einmal entschieden, konnte das Publikum der gekonnt vorgetragenen, selbst verfassten Erzählung, "Die Nachbarin", von Marleen Widmer, der jüngsten Leserin und mehrfachen Preisträgerin von Literaturpreisen, lauschen.

Das beeindruckende Riesenportal an der Westseite des Schlosses, mit der gut lesbaren Zahl 1579 im Flachgiebel, war zugleich Thema der nächsten Lesung, in der Renate Becker interessante Details zur Fürstenhochzeit, 1579 in Bergzabern, dem erstaunten Publikum zu Gehör brachte.

Für eine süße Überraschung in Form einer Praline mit Namen "Sandstein", unerwartet im Munde zerfließend, sorgte Herr Meßler vom Café "Das neue Herzog".

Den Schlusspunkt setzte Wolfgang Allinger, der auf seine ganz besondere Art die Fantasie der Zuhörer zu wecken verstand, mit der imaginären Beschreibung der Flower-Power-Zeit in Bad Bergzabern - exemplarisch auf der Freitreppe vor dem Schloss entwickelt - um dann am Ende die Zuhörer wissen zu lassen, dass sie nächstes Jahr weiter mitträumen könnten, da sich eine Straßentheater-Gruppe gebildet habe, die im Mai und September nächsten Jahres Szenen dazu aufführen würde.

Perfekt! Wetter gut! Texte gut! Stimmung gut! Und - gute Aussichten!

Renate Becker

Die Suche nach der eigenen Identität

 

Das war das übergeordnete Thema der Lesung der Schülerin Marleen Widmer aus Gleiszellen. Herzlich begrüßt wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer im vollbesetzten KAFFEEFleck von Herrn und Frau Schmitt, den Inhabern der Kaffeerösterei. Renate Becker vom Organisationsteam der Bergzaberner Buchlese stellte Marleen Widmer vor und machte auf die diversen Preise aufmerksam, mit denen sie ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Nachwuchspreis des Pfalzpreises für Literatur im Jahre 2016.

Marleen Widmer begann mit Auszügen aus ihrem Buch „Zwischen den roten Tüchern“, das sie im Alter von 15 Jahren geschrieben hat. Es ist die Geschichte einer Tuchartistin, die immer wieder an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit geht. Die sich spüren will in extremen Situationen. Dichte Bilder, klare Sprache im anspruchsvollen Text, jede Bewegung nachvollziehbar, Gefühle werden sichtbar, die man bei einem erst 15 jährigen Mädchen kaum vermutet. Warm vorgetragen, mit einem leichten Zug von Wehmut in der Stimme.

In der Pause wurden die Gäste mit einer leckeren, selbstgemachten Kürbissuppe des KAFFEEFleck verwöhnt.

Marleen Widmer präsentierte dann eine neuere Erzählung „Die Kastanienkönigin“. Es ist eine märchenhafte Geschichte über die Zerrissenheit eines Menschen, die der Königin und deren Suche nach dem eigenen Ich.

Marleen Widmer zieht die Zuhörer in die Geschichten hinein, ihre Handlung wird sichtbar, spürbar, man sieht ihre Farben und riecht ihre Düfte. Marleen Widmer besitzt eine akribische Beobachtungsgabe, gepaart mit einer wunderbaren Phantasie. Überraschend auch der Hinweis, dass sie ihre Bücher selbst bindet und illustriert.

Ein wunderschöner Abend, die Autorin wurde mit viel Beifall bedacht, den sie auf ihre bescheidene Art erfreut entgegen nahm. Marleen Widmer ist eine ungewöhnliche Begabung.

Renate Becker

Dirk und Ich

 

Neunzig Schülerinnen und Schüler - darunter auch von der benachbarten Böhämmer-Grundschule - fanden sich am Nachmittag in der Bibliothek des Alfred-Grosser-Schulzentrums ein, um Jannis Pfaffmanns Lesung aus dem Buch "Dirk und Ich", von Andreas Steinhöfel, zu lauschen. Jannis, der 2016 den Vorlesewett-bewerb der Schule mit Recht - wie man gleich hören konnte - gewonnen hatte, verstand es von Anfang an, seine jungen Zuhörer zu fesseln. Überzeugend und mit lebendiger Modulation der Stimme, brachte er die Turbulenzen eines Kindergeburts-tages zu Gehör, bei dem ein Spaghettimonster eine nicht unwesentliche Rolle spielte.

Der junge Vor-Leser genoss es, wie man ihm ansehen und anhören konnte, diese Episode aus dem Buch spannend und lebendig bis ins vorprogrammierte Chaos vorzutragen. Die Moderatorin der Bergzaberner BuchLese bedankte sich mit einem Bücher-Gutschein bei Jannis Pfaffmann und freute sich, gut gelaunte Schülerinnen und Schüler verabschieden zu können.

Renate Becker

Die Katze Elefant auf meiner Schulter

 

Im vollbesetzten Filmsaal konnte Renate Becker, vom Team der Bergzaberner BuchLese, fünf zweite Klassen der Böhämmer-Grundschule begrüßen, die lebendig aufgeregt auf die Lesung des Autors Jean-Philippe Devise warteten. Dieser wusste mit seiner aufgeschlossenen Art und einführenden Worten in sein Buch, "Die Katze Elefant auf meiner Schulter", die Kinder sogleich zu fesseln. Seine Technik, beim Lesen zwischendurch kurz zu unterbrechen, um die Kinder nach dem erwarteten Fortgang des Geschehens zu fragen, wurde von diesen mit unerwarteter Lebendigkeit und Mitarbeit beantwortet; konnten sich doch die Kinder gut in die Protagonistin Annika hinein versetzen, deren Leben eine unerwartete Wendung durch die Freundschaft mit einer Katze finden sollte.

Der Autor hatte mit seinem Buch die Welt der Kinder, sowohl in der Sprache als auch im Inhalt, gut getroffen, so dass sie sich über die Ankündigung, zwei Ausgaben des vorgelese-nen Buches würden sich in der Schulbibliothek finden lassen, sichtlich freuten. Somit war das Anliegen der Bergzaberner BuchLese erreicht: Vorlesen zum Weiterlesen.

Renate Becker

Der Protestant

Welcher Raum hätte besser zu Michael Landgrafs Lesung gepasst als unsere ur-protestantische Bergkirche mit ihrem Kanzelaltar, einem Symbol, dass ein Mittelpunkt der lutherischen Lehre das Wort ist. Michael Landgraf, als Druckermeister des 16.Jahrhunderts gekleidet, erzählte und las: Welche Bedeutung Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern hatte; einen Druckstempel mit Leder vom Hund (ohne Poren) führte Michael Landgraf wie ein Zepter, und er versetzte uns in eine vergangene, aber bis heute einflussreiche Zeit, z.B. mit der Vereinheitlichung der deutschen Sprache.

Der Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit wird anhand der Romanfiguren um Jakob Ziegler deutlich: 1500 wird er in Neustadt in einem Gottesdienst auf Deutsch getauft – etwas Unerhörtes! Bischof Albrecht von Brandenburg spielt eine große Rolle; durch Bestechung und Ablasshandel konnte er ein viertes Bistum erwerben und durfte somit den Kaiser mit wählen. Auf der Ebernburg begegnen wir Bucer, dem ersten protestantischen pfälzischen Pfarrer, und Ulrich von Hutten – und Jakob trifft als Protokollant Luther auf dem Reichstag zu Worms.

Kurz: Ein Ritt durch die Anfänge der protestantischen Geschichte in der Pfalz, vergnüglich vorgetragen, kurzweilig – und voll von Informationen. Mit viel Beifall dankte das Publikum Michael Landgraf. Wir, die Kirchengemeinde, freuen uns, dass wir die Spenden für die Erhaltung der Bergkirche verwenden dürfen.

Zum Abschluss gab’s Luther-Bier und ein reiches Angebot auf Michael Landgrafs Büchertisch, der seine Werke signierte.

Elke Wöhler-Wischhusen

Kalender-Gedichte

gesammelt und vorgetragen von Renate Becker, musikalisch interpretiert und begleitet von Lukas Grimm am Piano.

Seit vielen Jahren ist die Lyrik-Lesung mit Renate Becker fester Bestandteil der Bergzaberner Buchlese. Und seit Anbeginn wird sie von Lukas Grimm begleitet.

In diesem Jahr hat sie Kostbarkeiten auf ihren Kalendern gefunden, die sie wie stets gekonnt vorgetragen hat.

Dabei waren Bonmots von Ringelnatz bis Tucholsky, von Heine bis Chamisso.

Von Eugen Roth.ist dieses Gedicht, das auf Heiterkeit stieß und auch nachdenklich machte:

 

Wandlung

Ein Mensch führt jung sich auf wie toll

Er sieht die Welt, wie sie sein soll.

Doch lernt auch er nach kurzer Frist,

Die Welt zu sehen, wie sie ist.

Als Greis er noch den Traum sich gönnt,

Die Welt zu seh'n, wie sie sein könnt.

 

Die begleitenden Improvisationen von Lukas Grimm waren wunderbar einfühlsam und virtuos.

Ein gelungener Abend und die Bergzaberner Buchlese bedankt sich bei der evang. Stadtmission für die Bereitstellung des schönen Raumes.

Monika Westphal

Der Aquädukt

 

Im stimmungsvollen Ambiente der Augspurger Mühle stellte am Freitag, 29. September, der in Freiburg lebende Autor Peter Brannath sein Buch vor.

Unterhaltsam berichtete er, wie er zu diesem Thema gelangte: Gerne hat er seinen Urlaub im Süden Frankreichs verbracht. Nördlich von Marseille liegt ein römischer Aquädukt von beeindruckender Höhe und Schönheit. Er wurde um 50 n.Chr. erbaut und ist noch wunderbar erhalten. 1985 wurde er in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Als Ingenieur war Brannath fasziniert von diesem Bauwerk und der römischen Baukunst. Irgendwann reifte in ihm eine Geschichte über die Entstehung der Brücke, ein spannender Roman über den römischen Architekten Marcus, der in Basilides einen Freund und unschätzbaren Helfer für den Bau einer 50 km langen Wasserleitung findet...

Monika Westphal

Ein Abend des Lächelns

Jean-Philippe Devise, ein Franzose in Deutschland (?), ein Deutscher in Frankreich (?), beobachtet Deutsch-Französisches mit dem scharfen Blick des Pendlers zwischen zwei Welten. Hinlänglich in Bad Bergzabern bekannt - durch seine 10 Bücher, durch seine Lesungen (z.B. bei der Pamina VHS), durch Kurse – war der Andrang im Café Rebmann so groß, dass ein nicht unerheblicher Teil der Interessenten abgewiesen werden musste. Nur einige ganz Hartnäckige erstanden für sich bis kurz nach 20.00 Uhr noch Einlass.

Jean-Philippe Devise las aus seinen Büchern, vor der Pause Miniaturen aus seinen Beobachtungen im Grenzland Elsass-Pfalz: der angebliche Neid der Franzosen auf Deutschlands Nietzsche und Bild-Zeitung; ein Deutscher, Anarchie suchend, verzweifelt an der Bürokratie im Elsass; französische Schüler kämen niemals auf die Idee, Kröten über die Straße zu tragen; Angst und Vorurteile vor Fremdem begegnen ihm auf einem deutschen Dorf. Alles erzählt er ohne Schärfe und Häme im Plauderton.

In der Pause beantwortet er freizügig persönliche Fragen.

Die letzte Erzählung Der Porsche meines Vaters beleuchtet den Loyalitätskonflikt eines Scheidungskindes, das zwischen zwei Welten hin und her gerissen wird, bis es hoch erhobenen Hauptes seinen eigenen Weg findet.

Allein durch die Art, wie Jean-Philippe Devise vorgelesen hat, fesselte er das Publikum, das ihm in ernsten Phasen, die immer wieder von seinem Humor und Witz gemildert wurden, begeistert und lächelnd folgte.

Anhaltender Beifall dankte es ihm; bereitwillig signierte er seine Bücher.

Dank auch an die Firma Rebmann, die trotz der Fülle aufmerksam auf die Wünsche der Gäste einging.

Elke Wöhler-Wischhusen

Edvard Grieg – „Nicht nur Peer Gynt“

 

So könnten viele Sonntag anfangen, mit Musikgenuss vom Feinsten und sorgfältig recherchierten Informationen zum Komponisten des bekannten Orchesterstücks „Peer Gynt“. Zumindest fing der Sonntag am 15. Oktober so an und viele ZuhörerInnen waren der Einladung der diesjährigen „Bergzaberner Buchlese“ ins Haus des Gastes gefolgt.

Elke Wöhler-Wischhusen stellte das Leben des nordischen Komponisten Edvard Grieg vor, Jörg Wischhusen spielte eine Auswahl seiner Stücke am Klavier.

Rosemarie Jünemann vom Organisationsteam „Bergzaberner-Buchlese“ begrüßte die Gäste herzlich und freute sich auf einen anregenden Vormittag.

Jörg Wischhusen nannte zwei Gründe für die Wahl von Edvard Grieg: zum einen habe er viele schöne kurze Stücke komponiert, zum anderen hätte Elke Wöhler-Wischhusen auf eine reichhaltige Stoffsammlung zurückgreifen können. Ihr gemeinsames Ziel: Lyrik und Musik verbinden.

Die Matinee wurde eröffnet mit der schwungvollen Sonate e-Moll op. 7. Schon zu Beginn wurde klar, welches meisterhafte Können Edvard Grieg seinen Interpreten abverlangt. Jörg Wischhusen erfüllt diese Anforderungen „meisterhaft“.

In kurzen, überschaubaren Abschnitten erzählte Elke Wöhler-Wischhusen leicht schelmisch über das Leben eines Mannes, dessen musikalische Begabung frühzeitig erkannt wurde. Ein Vertreter der Spätromantik, ein Meister der Stimmungsbilder und in seiner Heimat Norwegen gefeiert wie ein Volksheld. Mit feinsinnigem Humor schilderte sie diesen Musiker, der durch Europa reiste und alle großen Komponisten seiner Zeit kennenlernte.

Jörg Wischhusen präsentierte eine Auswahl aus Griegs „lyrischen Stücken“, melancholisch, teils humorvoll, beschwingt, aber auch mit der Trauer der Moll-Melodie. Am Schluss spielte er noch das sehr bekannte und beliebte Stück „Hochzeitstag auf Troldhaugen op. 65.6.

So, wie Elke Wöhler-Wischhusen die Worte liebt und auf der Zunge zergehen lässt, so spürt man die Liebe und Hingabe von Jörg Wischhusen für die Musik. Ein langanhaltender Applaus belohnte beide. Die Zuhörer wurden noch mit einer musikalischen Zugabe verwöhnt.

Brigitte Weisbrod

Siegfried Lenz im Dialog mit Toni Morrison    -     "THIN LOVE VS. FOOL'S HOPE"

Peter Allmann liest aus seinen Lieblingsbüchern

 

Die Besucher dieser Veranstaltung betraten das Foyer des Alfred-Grosser-

Gymnasiums und fanden sich augenblicklich in einer "anderen Welt", Dank der besonderen Ausstattung und sensiblen Beleuchtung, die sich der Schulleiter Pete Allmann, zusammen mit dem "Technik-Chef" des Abends, Sven Scheidner, ausgedacht hatte. Mit dazu bei trugen schon die ersten Töne, die Noah Allmann am Keyboard erklingen ließ, um seinen Vater bei seinem ersten Song, "Wie ein Fels im Fluss der Zeit - " zu begleiten. In der ersten kurzen Lesung aus "Deutschstunde" (1968), von Siegfried Lenz, rezitierte Allmann eine Parallelhandlung, auf die er den einfühlsam vorgetragenen Song "Kinder der Sterne" (1982) folgen ließ.

Nachdem Pete Allmann die Zuhörer mit der Nobelpreisträgerin Toni Morrison bekannt gemacht hatte, las er - gekonnt in amerikanischem Englisch - Passagen aus ihrem Buch "Beloved" (1991), den Inhalt natürlich in Deutsch wiedergebend. Mit einem Song von Randy Crawford zum Thema Liebe, leitete Allmann über zu Siegfried Lenz "Über den Schmerz" (1998). Diese Lesung wiederum fand eine musikalische Fortsetzung mit dem Vortrag des Songs "Sometimes I feel like a motherless child", den Allmann sehr berührend, zum Jazz neigend, zu interpretieren verstand. Die Lesung aus Toni Morrisons "Kinderkiste" fand ihre musikalische Entsprechung mit "Was keiner wagt, das sollt ihr wagen".

Das Publikum bedankte sich - bei aller Prosa - für diesen doch so lyrischen Abend mit einem lang anhaltenden Applaus bei Pete Allmann für die gelungene Auswahl der Texte und passenden Songs, andererseits bei Noah Allmann, dem jungen musikalischen Interpreten, für seine einfühlsame Begleitung und sensiblen Improvisationen. Pete Allmann rundete den Abend ab mit dem Vortrag des Eröffnungssongs und entließ seine Zuhörer in einer ganz besonderen Stimmung.

Renate Becker

SPIRITU-WELLNESS

mit Michael Bauer und Benno Burkhart

Am Anfang sang Benno Burkhart zu seiner Gitarre lautmalend; Michael Bauer lüftete anschließend das Geheimnis, dies sei sein Gedicht auf den Speyrer Dom. Nicht-Pfälzer fühlten sich wie in Hebels Kannitverstan.

Benno Burkhart variierte und verfremdete auf seiner Gitarre rhythmisch und auch melodisch Musik von Klassik bis Pop, von John Dowland, den Beatles bis Angie.

Michael Bauer trug seine Texte vor: Miniaturen wie seine Winz-Gedichte bis hin zu längerer Prosa. Themen wie das Gefühl der Fremdheit eines Katholiken in einer protestantischen Kirche, wie die Liebe, Shakespeare und Angelus Silesius auf Pfälzisch wurden angesprochen. Auch Politisches flocht Michael Bauer ein: die Frage nach der Identität, die Ereignisse in Herxheim, das Verhältnis Hauptstadt-Provinz. Surreal wurde es beim Gothic Nonsense.

Musik und Texte waren wunderbar aufeinander abgestimmt; besonders deutlich wurde es, wenn Michael Bauer seine Texte zu Benno Burkharts zurückhaltender Musik vortrug.

Lang anhaltender Beifall dankte es den Beiden. Auch das BuchLese-Team freute sich über diese ausgefallene Darbietung. Und das Team dankt der protestantischen Kirchengemeinde Bad Bergzabern, dass alle im Gemeindehaus zu Gast sein durften.

Elke Wöhler-Wischhusen

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