Bergzaberner Buch-Nach-Lese 2014

Gelungener Start in die 13. Bergzaberner Buchlese

 

"Leewensfarwe"

 

Es ist schon gute Tradition geworden, dass die Bergzaberner BuchLese mit einer Mundartlesung im schönen Ambiente des Weingutes Hitziger beginnt.

So hatte sich am 18. September ein erwartungsvolles Publikum zur Lesung von Matthias Zech eingefunden. Unter dem Titel "Leewensfarwe" trug der Diözesanreferent des Bistums Speyer, der durch seine mehrjährige Tätigkeit in der Pfarrei St. Martin so manchem Bergzaberner wohlbekannt ist, besinnliche und humorvolle Gedichte und Geschichten vor. Zech zeigte im ersten Teil seiner Lesung, welche sprachliche Kraft in der pfälzischen Mundart steckt, wie warmherzig und einfühlsam sie im Ausdruck sein kann.

Im zweiten Teil ließ der Mundartdichter, der schon in Bockenheim und Darmstadt Preise holen konnte, seiner humorvollen Ader und Vortragsfreude freien Lauf. Mit dramatisierender Gestik und Mimik bot er höchst humorvolle Gedichte wie zum Beispiel die "Schlittenfahrt" dar, in der viele Zuhörer eigene Kindheitserlebnisse wiedererkannten.

Gegen Ende wurden die Lachmuskeln des Publikums noch einmal kräftig strapaziert beim überaus vergnüglichen Dialog "Dusch du dusche?" mit Renate Becker als Partnerin.

 

Begleitet wurde Matthias Zech von Sarah Kaufmann auf der Oboe. Sie hatte wunderbar passende Kompositionen ausgewählt und virtuos vorgetragen. Sarah Kaufmann tritt seit Jahren in Kammerorchestern auf.

 

Die Zuhörer konnten einen ungemein amüsanten und doch auch besinnlichen Abend genießen.(mw)

"Hurra, wir ziehen in den Krieg"!

 

Zur zweiten Lesung in diesem Jahr lud die Bergzaberner BuchLese am 22. September ein, in die Bibliothek des Alfred-Grosser-Schulzentrums, mit dem Titel "Felix zieht in den Krieg".

Michael Landgraf nahm die Zuhörer mit in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, erzählte vom Zeitgeist, insbesondere in seiner Heimatstadt Neustadt, anhand von geschichtlichen Unterlagen wie Bekanntmachungen, Postkarten und Zeitungsausschnitten. Die Begeisterung für den Krieg war allgegenwärtig. Man erwartete einen schnellen Sieg Deutschlands, da "auch Gott dem deutschen Volk nahe gestanden habe."

Junge Menschen konnten über ein Notabitur die Schule abschließen, um ja schnell in den Krieg ziehen zu können. Wie schnell wurden sie von der Wirklichkeit eingeholt ...

Michael Landgraf, Dozent in der Lehrerfortbildung und Verfasser von Kinder-, Jugend- und Schulbüchern, verstand es, die Wilhelminische Zeit dem interessierten Publikum nahe zu bringen und zu verstehen.

Der Autor hatte viel Anschauungsmaterial und ein uraltes Grammophon mitgebracht, auf dem er mit Schellackplatten Marschmusik aus der damaligen Zeit spielte.

Schade, dass von den Schülern dieses Angebot so wenig wahrgenommen wurde. (mw)

Die sanfte Linie und der Zauber des Anfangs ...

 

Die Bergzaberner BuchLese flog am 24. September zum ersten Mal aus nach Kapellen-Drusweiler, in die Vinothek des Weinguts Kimmle. Wie gut, dass in diesem schönen Ambiente genügend Plätze zur Verfügung gestellt werden konnten, denn die Nachfrage nach dieser Veranstaltung mit 120 Zuhörern war außergewöhnlich groß.

Nachdem Renate Becker in einer Einführung die freundschaftliche Beziehung und gegenseitige Wertschätzung der beiden Dichter dargestellt hatte, las sie Gedichte von Hermann Hesse und Martha Saalfeld und stellte sie thematisch einander gegenüber; Gedanken zur Heimat, zum Spätsommer, zum Herbst, zum Leben, zum Altern und zum Ende des Lebens. Neben unbekannten Gedichten rezitierte sie z.B. "Stufen" von Hermann Hesse. Wer kennt nicht

 

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."

 

und Martha Saalfelds

 

"Pfälzische Landschaft - Die sanfte Linie ..."

 

Wichtig war Renate Becker zu guter Letzt auch, dem Publikum die lebenslange fruchtbare Zusammenarbeit Martha Saalfelds und Werner vom Scheidts aufzuzeigen mit dem Linolschnitt "Der Komet". Werner vom Scheidt hatte Hermann Hesse zum 70. Geburtstag eine Mappe mit Rosenblätter-Arbeiten zugesandt - und so schloss sich der Kreis.

 

Keine leichte Aufgabe hatte sich Renate Becker mit diesem Abend gestellt, jedoch mit gewohntem und bekannten Feingefühl für Lyrik wunderbar gemeistert.

Begleitet wurde Renate Becker von Lukas Grimm mit eindringlichen und sensiblen Improvisationen auf dem Klavier. Überraschend für das Publikum übernahm er auch sehr einfühlsam den Vortrag von drei Gedichten.

 

Seit 2002 - dem ersten Jahr der Bergzaberner BuchLese - sind Lyrik-Lesungen fester Bestandteil des Programms in dieser Besetzung mit Renate Becker und Lukas Grimm am Piano.

Seitdem freut sich Bad Bergzabern alljährlich auf diese Lesung mit steigenden Besucherzahlen. (mw)

Mauertänzer

 

So lautete der Titel des Buches von Andrea Busfield, das Monika Westphal am 29. September im Protestantischen Gemeindehaus vorstellte. Wie schon im letzten Jahr hatte Frau Westphal wieder für ein dekoratives Ambiente gesorgt: Afghanische Stoffe, Stickereien, Kleidungsstücke und einen afghanischen Teppich. Sogar eine Original Burka hatte sich jemand übergezogen, und man konnte sich so sehr gut vorstellen, wie die Frauen in Afghanistan in der Öffentlichkeit bewegen müssen; völlig bedeckt mit einem Schleier aus Kunstfaser, nur durch ein Gitterfenster vor den Augen den Weg findend. So fühlte man sich in eine andere, uns wenig bekannte orientalische Welt versetzt, begleitet von afghanischer Musik.

 

Fawad, ein elfjähriger Junge, schildert in diesem Buch sein Leben in Kabul, auf den Straßen und in der Familie, und den Verlust von Familienmitgliedern in der Zeit der Taliban. Aber er erzählt auch von interessanten Begegnungen mit der westlichen Kultur, und von Ausländern, die zu Freunden werden.

Frau Westphal gab mit spannenden Passagen gute Einblicke in das sehr lesenswerte Buch über ein kriegsgezeichnetes Land, in dem Freundschaft, Tradition und Poesie nicht vergessen sind.

Mit afghanischer Musik klang die beeindruckende Lesung aus.

In einer anschließenden Diskussion konnte Frau Westphal kompetent Fragen beantworten. Es war zu spüren, dass man einen besonderen Abend der Bergzaberner BuchLese erlebt hatte. (rmb)

Geschichten von und mit Tieren

 

Eine spannende "Schulstunde" hat Marcus Hohaus in der Bibliothek der Böhämmer-Grundschule am 30. September im Rahmen der Bergzaberner BuchLese vor Zweitklässlern gehalten.

Der in Bad Bergzabern lebende Bienenzüchter, Falkner und Jägerausbilder las zunächst den gebannt lauschenden Kindern das Tiermärchen "Der Hase und der Fuchs" von Ludwig Bechstein vor. Hierzu hatte Hohaus als Anschauungsmaterial einen präparierten Hasen und Fuchs mitgebracht. Sie wurden aufgefordert, mit ihrer Fantasie den Fortgang der Geschichte zu gestalten und wer wohl am Ende den Sieg davon tragen würde. Eine Aufgabe, an der sich die Kinder eifrig beteiligten.

Die zweite Geschichte, die Hohaus im Internet fand, handelte vom "Ritter und Greif", hier wurde der geschickteste Weg durch ein Labyrinth gesucht und ausführlich im Zuhörerkreis diskutiert. Als passende Attraktion und Höhepunkt der Lesung hatte Hohaus seinen lebenden Wüstenbussard - die Wilma - mitgebracht. Die Begeisterung war groß und jeder hätte zu gerne den großen Vogel gestreichelt oder auf der behandschuhten Hand gehalten. Wilma ist ein wunderschönes Tier mit einem braunglänzenden Federkleid und braun-weißen Schwanzfedern. Sie ist etwa ein Jahr alt und mag gern Gesellschaft; auch von den vielen Kindern ließ sie sich nicht beeindrucken, obwohl Bussarde normalerweise Einzelgänger sind. Großes Gelächter rief allerdings eine satte Darmentleerung hervor.

Diese Lesung wird den jungen Schülern sicher noch lange in Erinnerung bleiben. (mw)

Marcus Hohaus

Wie geschehen so geschrieben

 

Die gebürtige Finnin Thelma von Freymann hat eine multinationale Abstammung, allein in ihrer Familie gibt es Finnen, Russen, Schweden und Balten. Das ist für einen Menschen eine große Bereicherung, wie sie in ihrer Lesung in der Pro Seniore Residenz am 1. Oktober erzählte. Es weitet den Blick und es gibt unendlich viel Stoff für Erzählungen. Die 82-jährige Erziehungswissenschaftlerin lebt seit 1945 in Deutschland und war eine engagierte Pädagogin. Mit ihrem finnischen Hintergrund erklärte sie auf Vortragsreisen die PISA-Erfolge in ihrem Geburtsland.

Bei der BuchLese erzählte sie Geschichten aus ihrer Familie, die sie jetzt, da die Beteiligten nicht mehr leben, auch in einem Buch veröffentlichen kann. Eine unglaubliche Liebesgeschichte begann 1863 und führt zu einem überaus überraschenden Ende. Oder die Geschichte einer Russlanddeutschen, die von ihren Söhnen nach Kasachstan gebracht werden möchte, um dort in heimatlicher Erde begraben zu werden. Die Erzählungen von Thelma von Freymann haben viel Witz und Humor, sind aber auch eindringlich und nachdenklich und führen oft zu völlig unerwartetem Ausgang.

Thelma von Freymann ist eine sehr aktive und eloquente Erzählerin, die die Zuhörer an diesem Abend fesselte. Auf besonderen Wunsch hin las sie die letzte Geschichte aus ihrem Buch vor, eine Schilderung ihres ereignisreichen und spannenden Lebens.

Man war sich einig, dass diese erste Veranstaltung der Bergzaberner BuchLese in der Pro Seniore Residenz ein voller Erfolg war. (mw)

"Fremd bin ich eingezogen - fremd zieh ich wieder aus!"

 

Mit diesen Versen beginnt die "Winterreise", eines der bekanntesten Liederzyklen der Romantik, der Text ist von Wilhelm Müller, vertont hat sie Schubert im Jahr 1827, ein Jahr vor seinem Tode.

 

So titelten auch Elke Wöhler-Wischhusen und Prof. Dr. Jörg Wischhusen ihre Matinee-Lesung im Haus des Gastes am 3. Oktober, eine Veranstaltung der Bergzaberner BuchLese.

 

Elke Wöhler-Wischhusen trug Ausschnitte aus dem Leben von Franz Schubert zusammen, der aus einer Familie mit 16 Kindern stammt, wobei nur 4 von ihnen das Erwachsenenalter erreichten.

Früh erhielt er die musikalische Ausbildung durch seinen Vater; wegen seiner schönen Stimme wurde er mit 10 Jahren im kaiserlichen Konvikt aufgenommen. Bald zeigt sich seine kompositorische Begabung, von früh bis spät füllte er alle verfügbaren Blätter wie besessen mit seinen Kompositionen. Viel zu jung ist Schubert mit 31 Jahren in Wien gestorben und hat doch ein erstaunlich umfangreiches Gesamtwerk hinterlassen.

Elke Wöhler-Wischhusen trug Begebenheiten seines Lebens mit Dramatik und auch Witz vor, so dass sich die Zuhörer im gut gefüllten Auditorium ein lebendiges Bild über das Leben Schuberts machen konnten.

 

Begleitet wurde die Lesung mit ausgesuchten Kompositionen, die Dr. Jörg Wischhusen virtuos am Flügel vortrug. Dr. Jörg Wischhusen war eigens zur Bergzaberner BuchLese aus Würzburg angereist, wo er am Universitätsklinikum tätig ist.

Seit 2010 sind Elke Wöhler-Wischhusen und Dr. Jörg Wischhusen fester Bestandteil des Programms und ein Höhepunkt der Bergzaberner BuchLese. Sie haben viele treue Anhänger, die sich auf diese wunderbare Veranstaltung jedes Jahr aus Neue freuen. (mw)

Schnittblumen machen mich traurig

 

Zu Gast bei der Bergzaberner BuchLese war einer der vier jungen Preisträger des diesjährigen Martha-Saalfeld-Förderpreises, Emil Fadel. Er las aus seinem noch unveröffentlichten Werk, natürlich im passenden Rahmen des Stadtmuseums, in der Gedächtnisstätte "Martha Saalfeld - Werner vom Scheidt".

Der Ich-Erzähler plaudert von seinem städtischen Alltag, kleinen Begebenheiten, die ihn zu originellen Gedankengängen verleiten. Floskeln, die unseren Alltag überall begleiten, wer denkt sich noch etwas dabei, wenn er "einen schönen Tag" wünscht. In welch verlogener Welt wird der Konsument verführt. Hier wandelt ein Träumer auf der Suche, auch auf der Suche nach sich selbst.

Der 22-jährige Fadel lebt in Mainz, er studiert Germanistik und Filmwissenschaften und ist Autor des Literatur-Blogs "Octopus-Magazin". Er war gern nach Bad Bergzabern gekommen und kündigte an, dass er hier auch sein fertiges Buch vorstellen würde.

Begleitet wurde Emil Fadel von Familienangehörigen, nicht jeder hat seinen Vater Rafik Schami erkannt, der seinem Sohn an diesem Abend die Bühne überlassen wollte. (mw)

Silvaner trocken oder ein tödlicher Tropfen

 

Im ungemein passenden Ambiente der Stadtmühle Hermann Augspurger stellte die gebürtige Südpfälzerin Anne Riebel am 7. Oktober ihren neuen Krimi vor:

Das Landhaus Sonnenhain im südpfälzischen Rittersheim lädt zum Krimi-Dinner. Josefine Laux, die zusammen mit ihrem Mann ein kleines Weingut betreibt, und ihre Freundin, die Buchhändlerin Charlotte Messerschmidt, streiten sich. Es geht um Moritz Wolff, einen attraktiven und kultivierten Bekannten, der an diesem Abend jedoch völlig ausrastet, herumbrüllt und seinem Vater Wein ins Gesicht schüttet. Am nächsten Morgen ist der Vater tot. Vergiftet. Und sein Sohn steht unter Mordverdacht. Josefine und Charlotte können das nicht glauben. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einer gefährlichen Wahrheit, die weit in die Vergangenheit zurückführt.

 

Verbunden war die Lesung mit einer Weinprobe. Hermann Augspurger präsentierte verschiedene Weine und erklärte ihre Merkmale.

Die Stadtmühle trug ihren Beitrag zum Erfolg des Abends bei: an passenden Stellen, wie

"es klopfte", fing das Mühlrad geräuschvoll an zu arbeiten, was jedes Mal zu Gelächter führte.

 

Die sympathische Anne Riebel lebt heute in Berlin. Sie begann 2003 nach einer Eingebung im Traum zu schreiben. Ihr erster Krimi "Riesling pur" erschien 2007 und spielt ebenfalls in ihrer Heimat. Die ehemalige Weinkönigin würzt ihre Romane mit kulinarischen Köstlichkeiten aus der Pfalz, und der Wein spielt natürlich eine Hauptrolle.

Anne Riebel

 

Finnland. Cool.

 

Gerade haben sich die Tore der Frankfurter Buchmesse geöffnet mit dem diesjährigen Ehrengast Finnland, so hat dies auch die Bergzaberner BuchLese zum Anlass genommen, am 9. Oktober eine Lesung zum Thema Finnland anzubieten. Die 18-jährige Raphaela Breuhauer, Gymnasiastin des Alfred-Grosser-Gymnasiums, war 2012/2013 für ein Jahr Austauschschülerin und Botschafterin der Metropolregion Rhein-Neckar in Finnland und konnte über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten. In Finnland gibt es kein "Sie", also wurde an diesem Abend im Jugendzentrum nur "geduzt".

 

Raphaela lebte in Oulu, der nördlichsten Großstadt der EU. Hier gibt es eine Universität, und die Stadt ist bekannt als Zentrum der finnischen IT-Wirtschaft.

 

Raphaela besuchte ein Gymnasium und nahm auch an Examina (Klassenarbeiten) teil. Schwer ist es, finnisch zu lernen, wie sie gestand. Man vergisst viel, kommt aber auch schnell wieder in die Sprache hinein. Das Leben mit ihrer Gastfamilie war sehr angenehm, sie hat viel von der Umgebung gesehen und viele Freundschaften geschlossen. In den Ferien konnte sie Skilaufen und hat ein Schloss besucht, dass ganz aus Schnee und Eis bestand, mit vielen Eisskulpturen. Es war wirklich sehr kalt im Winter, wie sie einräumte, mehrere Lagen warmer Kleider waren vonnöten. Aber abends ging es immer in die finnische Sauna, die in jedem Haus zu finden ist.

In den Schulen geht es viel lockerer zu, den Schülern ist es bewußt, dass sie für sich und ihre Zukunft lernen. Die Klassen sind viel kleiner und der Unterricht weniger streng als in Deutschland.

 

Den Aufenthalt in Finnland wird Raphaela nie vergessen, sie wusste so lebendig zu berichten, dass die Zuhörer richtig Lust auf eine Reise dorthin bekamen. (mw)

 

 

Goethes Freunde in Gotha und Weimar

 

In Gotha ist Goethe häufig gewesen. Hätten andere Umstände dazu führen können, dass, statt Weimar, die Stadt, die für den Begriff der Weimarer Klassik steht, der Lebensmittelpunkt Goethes in Gotha hätte sein können? Dieser Frage ist die in Gotha geborene Literaturwissenschaftlerin und Autorin Sigrid Damm in ihrem neuesten Buch nachgegangen.

Am 13. Oktober stellte Annette Mönnich dieses Buch vor und ließ auch eigene Überlegungen hierzu einfließen, die sie in ihrer Dissertation zusammen getragen hat.

Weimar war zur Zeit Goethes eine kleine Stadt mit etwa 6000 Einwohnern. Hier konnte er sein Netzwerk knüpfen, wurde gefördert von Herzog Carl August, der ihm sogar nach seiner überstürzten Abreise nach Italien finanzielle Unterstützung gewährte. Vor allem lebte hier seine Gönnerin und platonische Liebe Charlotte von Stein am Hof des Herzogs.

Gotha war zu jener Zeit eine Großstadt. Mit Herzog Ernst II stand Goethe in regelmäßiger Briefverbindung und reiste zweimal jährlich dorthin, um seine vielfältigen Kontakte zu pflegen. Übersiedeln wollte er jedoch nicht.

 

Annette Mönnich, die seit Jahresanfang Geschäftsführerin des Schlosshotels ist, zeichnete im Restaurant Walram vor einem großen Kreis von Zuhörern ein Bild von Goethe, das nicht allgemein bekannt ist.

So wurde diese Veranstaltung eine Bereicherung sowohl für die Bergzaberner BuchLese als auch für unsere Stadt. (mw)

 

 

"Firelight - Brennender Kuss"

 

Am 14. Oktober war BuchLese-Zeit im Alfred-Grosser-Schulzentrum, zu der sich Schülerinnen und Schüler im anregenden Ambiente der Bibliothek eingefunden hatten.

Laura Baier, die Schulsiegerin des Vorlesewettbewerbs 2013 - mittlerweile in der 7. Klasse des Gymnasiums - stellte zunächst das ausgewählte Buch der Autorin Sophie Jordan vor. Nach einer kurzen Einleitung, in der die Zuhörer erfuhren, dass Drakis Menschen sind, die sich in Drachen verwandeln können, fanden sie sich auch schon mitten in einer spannenden Szene, in der die Draki-Mädchen Jacinda und Azure auf der Flucht vor ihren Verfolgern sind. Gebannt lauschten die Schülerinnen und Schüler der Vorleserin, die es verstand, mit brillanter Lesetechnik und modulierender Stimme, ihre Zuhörer immer stärker in das Geschehen hinein zu ziehen. Geschickt beendete Laura Baier ihre Lesung an einer besonders spannenden Stelle, dass man vor Überraschung zunächst den verdienten Applaus vergaß.

Ob sich der eine oder andere das vorgestellte Buch als nächstes vornehmen wird, ist nicht bekannt. Dass aber Lesen Freude machen und überaus spannend sein kann, konnte die schon zur festen Tradition gewordene Veranstaltung der Bergzaberner BuchLese mit Laura Baier auf jeden Fall zeigen. (rmb)

 

Teta Linek und ihr Neffe

 

Die Magd Teta Linek hat bei aller Einfachheit ihres Verstandes einen festen Lebensplan und den unbeugsamen Willen zur Unsterblichkeit und Seligwerdung. Um sich einen Platz im Himmel für alle Ewigkeit zu sichern, versucht sie durch einen Mittler, den Sohn ihres einzigen Bruders Mojmir, sich dort einzukaufen; denn hat nicht auch der Herrgott einen Mittler zu den Menschen gesandt, um ihnen auf den Weg zur Seligkeit zu helfen? Teta meint, nur gute Werke gelte es dafür zu tun. So unterstützt sie mit ihren Ersparnissen das Studium ihres Neffen, ohne freilich Liebe für ihn zu empfinden oder überhaupt ein persönliches Interesse an ihm zu nehmen, ja ohne ihn über dreißig Jahre lang zu sehen. Es genügt ihr, wenn er als Priester durch das Lesen heiliger Messen für ihr Seelenheil sorgt. Aber Mojmir ist keineswegs Priester geworden: er ist ein Hallodri, ein Schwindler und Betrüger und treibt sein Spiel auf die Spitze, indem er der Tante vorgaukelt, in ihrer beider Geburtsort eine Pfarrstelle zu erhalten und sie zu sich nehmen zu wollen. Sie reist dorthin und muss erkennen, dass alle seine Beteuerungen erlogen waren und sie ihre Seligkeit beim Teufel eingekauft hat.

 

Diese Geschichte von der Magd Teta aus dem Buch "Der veruntreute Himmel" von Franz Werfel wurde am 14. Oktober im Haus des Gastes vor einem zahlreichen Publikum von

Dr. Emmy Löffler vorgestellt. Wie in ihren bisherigen Lesungen konnte sie ihre Zuhörer mit ausdrucksstarker Mimik, Gestik und Sprache fesseln.

 

Seit 2003 ist die Lesung von Dr. Löffler eine "Institution" bei der Bergzaberner BuchLese, und sie hat eine treue Fan-Gemeinde, die sich bereits auf das kommende Jahr freut. (mw)

 

 

Hannah Arendt oder Die Liebe zur Welt

 

Zum sechsten Mal hatte die Bergzaberner BuchLese Landrätin Theresia Riedmaier zu Gast, die am 16. Oktober im Haus des Gastes aus dem Buch von Alois Prinz "Hannah Arendt oder Die Liebe zur Welt" las. Die Gedanken der Philosophin zu vermitteln, ist sicher keine leichte Kost. Landrätin Riedmaier hatte aus dem Buch von Prinz Passagen herausgesucht, die einen anschaulichen und spannenden Überblick über ihr Leben und Denken gaben.

Hannah Arendts Beziehungen zu Heidegger und Jaspers, ihre Vertreibung ins amerikanische Exil, ihre Fragen zu Philosophie und Politik zeichnen das Bild einer Frau, die sich entgegen den Zwängen der Zeit eine Haltung von Unabhängigkeit und Freiheit bewahrte.

Sie gerät in die Kritik, weil sie mit ihrer Reportage "Die Banalität des Bösen" über den Eichmann-Prozeß den Holocaust verharmlost haben soll. Zu dieser Erkenntnis waren jedoch viele andere bereits vor ihr gekommen, ohne diese Reaktion hervorzurufen.

 

Starke Worte von Hannah Arendt wie "Nur das ist wahr, dem wir bis zuletzt die Treue halten" oder "Man muss an traurige Dinge so wenig wie möglich denken" oder "Freiheit ist keine Prämie für ausgestandene Leiden" oder "Ich habe immer geglaubt, dass man sein Leben ist" bleiben haften.

 

Landrätin Theresia Riedmaier konnte mit ihrer eindrucksvollen Lesung und der einfühlsamen Auswahl der Texte die Zuhörer zum Nachdenken und zum Lesen des Buches anregen.

 

Leben wie Gott im Elsass

 

Die Bergzaberner BuchLese hatte am 20. Oktober, der vorletzten Veranstaltung in diesem Jahr, einen bekannten Grenzgänger zu Gast: Martin Graff, Autor, Journalist und Kabarettist aus dem Elsass, der sein neues Buch vorstellte. Im ausverkauften Weingut Knöll & Vogel sprühten die Bonmots über das deutsch-französische Verhältnis, dass man Mühe hatte, jeden Geistesblitz aufzufangen.

Er macht sich Gedanken zur Politik, gibt Kuss-Lektionen im Privaten als auch auf höchster Ebene, und beleuchtet höchst humorig die Unterschiede beider Nachbarländer, insbesondere zwischen dem Elsass und der Pfalz. Graff mischt beide Sprachen, das könnte eine Herausforderung für die Französisch-Kenntnisse bedeuten, er macht das aber so geschickt und geistreich, dass eventuelle Sprachlücken von den Zuhörern überhaupt nicht bemerkt werden.

Martin Graff ist sicher den Lesern der Rheinpfalz bekannt als Kolumnist der Wochenend-Glosse "Zungenknoten". Der studierte Theologe behandelt hier aktuelle Fragen zum Zeitgeschehen humorvoll und mit viel Kenntnis.

Graff reist zu seinen Lesungen mit seinem eigenen Lesepult an - einem umgebauten Schlitten, denn er begibt sich ja auch laufend aufs Glatteis. Sein Publikum war an diesem Abend begeistert und man stand bei einem Glas Wein noch länger beisammen.

"Zungenknoten" erschienen in der Rheinpfalz am 25.10.2014

Russland erlesen - "Das grüne Zelt"

 

In der letzten Veranstaltung der Bergzaberner BuchLese, und man kann sagen, es war ein Glanzpunkt und würdiger Abschluss der diesjährigen Lesereihe, stellten Alina und Swetlana Frick am 24. Oktober Auszüge aus dem neuesten Buch der Grande Dame der russischen Literatur, Ljudmila Ulitzkaja, im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Alten Rathauses vor.

Ein bewegendes Schicksal in der Zeit der Sowjetunion wurde erzählt, höchst ausdrucksstark von Alina in deutsch und von Swetlana Frick in russisch vorgetragen. Die große Liebe von Olga und Ilja, die über Zeit und Grenzen hinweg Bestand hat, die jedoch durch politisch bedingte Emigration getrennt wurden.

 

Die 71-jährige Ulitzkaja erhielt 2014 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. In einem Essay zu diesem Anlass, aus dem Alina Frick eingangs vorlas, macht sie sich Gedanken über ihr Land, für das "sie sich schämt".

 

"Ich empfinde keinerlei Hass, nur Scham und Hilflosigkeit. Die gegenwärtige Politik Russlands ist selbstmörderisch und gefährlich und in erster Linie eine Bedrohung für Russland selbst, könnte aber durchaus zu einem Auslöser eines Dritten Weltkriegs werden. Der im Grunde bereits begonnen hat. Die lokalen Kriege in Tschetschenien, in Georgien und jetzt in der Ukraine sind der Prolog. Den Epilog wird wohl niemand mehr schreiben können."

 

Das grüne Zelt ist ein großartiger Gesellschaftsroman, der ein halbes Jahrhundert umfasst, beginnend mit Stalins Tod und endend mit der Zeit der "Perestroika", die eng mit der Person Gorbatschows verbunden ist. (mw)

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© 2017 Monika Westphal